bt_gesellschaft.jpg (19217 Byte) - Religion - Regierung - Gesetzgebung

In der ryondrischen Gesellschaft leben zwei verschiedene Kulturen gleichberechtigt neben- und miteinander: die ryondrische Priester- und Kastengesellschaft und die anturische Familien- und Adelshierarchie. Dabei wird die zahlenmäßige Überlegenheit der Ryondari durch die politische der Anturier ausgeglichen. In manchen Bereichen, vor allem der Religion, bleiben beide Kulturen in ihrer jeweiligen Tradition strikt voneinander getrennt, in anderen verschmelzen anturische und ryondrische Elemente.

Dem Königshaus fällt hierbei eine ungewöhnliche Rolle zu. Da es weder der ryondrischen noch der anturischen Kultur entstammt, jedoch beide vertreten muß, ist seine Aufgabe häufiger die der Vermittlung zwischen den beiden Gruppen, was bei der Macht der anturischen Häuser und der ryondrischen Neun Tore-Priester meistens in einen politischen Drahtseilakt ausartet. Da alle Könige von Elgerion Meret abstammen, neigt man dazu, die Familie Meret wie ein anturisches Adelshaus zu verstehen, doch darf man die Rolle der Priester nicht unterschätzen, die während der Zwischenzeiten als Vertreter der Könige geherrscht haben und ihre Macht nicht leicht hergeben. Es herrscht also ein ständiges Tauziehen zwischen Anturiern und Ryondari, mit der Familie Meret dazwischen.

Wenn auch die einzelnen Fürstentümer ganz klar entweder anturisch oder ryondrisch geprägt sind, gibt es doch in allen größeren Städten, vor allem in Arithia, Bevölkerungsgruppen aus beiden Kulturen. Wo die beiden Völker nicht lernten, miteinander zu leben, wanderte früher oder später eins von ihnen in Gegenden aus, die ihm politisch und gesellschaftlich näher lagen. Bis es aber soweit war, gab es immer wieder erbitterte Bürgerkriege, die durch entsprechende Verwandtschafts- oder Priesterbündnisse gelegentlich das ganze Land in den Streit rissen. Erst die Vereinigung zum Königreich machte den Fehden ein Ende - und das auch nur, weil Elgerion nicht nur vermittelte, sondern die streitenden Parteien auch durch nackte Gewalt an den Verhandlungstisch und in die Unterwerfung zwang. Und das junge Königreich überlebte nur, weil einige intelligente Machthaber in Madheriant, Selyra und Lethys-Nord die Vorteile erkannten, die Elgerion ihnen einbrachte, und weil beide Völker noch immer Fremde in diesem Teil der Welt waren und sich nur gemeinsam gegen die feindseligen, magiebegabten Nachbarvölker zur Wehr setzen konnten.

Anmerkung: "zur Wehr setzen" ist hier ein stark ryondrozentrisch besetzter Begriff, da ja in Wirklichkeit die Ryondari und Anturier als feindselige Eroberer nach Kardath gekommen waren.                                        T.K.

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Die Gesellschaft in den Städten gliedert sich in Innere und Äußere Ringe.

Beispiel Arithia

Zum Ersten Inneren Ring gehört die Königsfamilie sowie ihre direkten Verwandten.
Den Zweiten Inneren Ring bildet der Hochadel mit höchstens angeheirateter Verwandtschaft zum Königshaus (z.B. die Fürstenfamilie Cyral)
Zum Dritten Inneren Ring gehören Stadt- und Landadel ohne verwandtschaftliche Beziehungen zum Königshaus, z.B. die Familien Kherol und Jarvik; außerdem Barone und Grafen; diese Familien stellen Zofen, Pagen, Hofdamen etc. in Thorandon. 

Den Ersten Äußeren Ring bilden adlige Stadtfamilien im Handel oder in der Priesterschaft der Neun Tore. Sie haben das Recht, Geld zu drucken. (z.B. Familien Sabirin und Selodere)
Zum Zweiten Äußeren Ring gehören Familien von nichterblichem Adel, die aber erbliche Ämter ausüben dürfen (z.B. Keroun und Skoruti).
Dem Dritten Äußeren Ring gehören die nichtadeligen reichen Familien an (z.B. Kasil, Ram und Salteith).

Es gibt erhebliche Unterschiede im Aufbau der Ringe in den einzelnen Fürstentümern; in den von den Drachenpriesterinnen beherrschten Städten existieren die Ringe überhaupt nicht mehr, auch nicht auf Iunis, weil es dort keine adlige Gesellschaft gibt.

Jede anturische und jede wohlhabende ryondrische Familie gehört einem der Sechs Ringe an. Arme ryondrische Familien oder Kardian werden nicht aufgenommen und haben somit weder Wahl- noch Mitspracherecht in den Belangen der Städte.

Familien

Eine ryondrische Familie besteht aus zwei oder mehr Frauen, deren Männern, den gemeinsamen Kindern sowie den Großeltern, sofern diese nicht bei anderen Töchtern oder Söhnen wohnen. Eine "Ehe" gibt es nicht, nur einen Familienbund, der von den Priestern des zuständigen Tores geschlossen wird. Der Schwerpunkt liegt auf der weiblichen Linie, d.h., daß die Frauen üblicherweise verwandt sind (Großmutter-Mutter-Tochter) und alle anderen sich darum gruppieren. Die bevorzugte Methode ist, Schwestern in einen Familienbund zu verheiraten; häufig schließen sich Schwestern ohnehin zusammen. Üblicherweise gilt ein Familienbund erst nach der Geburt des ersten Kindes als geschlossen.

Entscheidungen werden im Familienbund von allen Erwachsenen getroffen. Kinder gelten mit fünfzehn Jahren als erwachsen. Bis dahin sind sie praktisch rechtlos, haben aber einen Anspruch auf Nahrung und Schutz.

Alle Kinder eines Familienbundes gelten als Geschwister, selbst wenn sie nicht blutsverwandt sind. Sie werden gemeinsam erzogen, bis sie neun Jahre alt sind, dann werden sie einem Tor verbunden und in die Obhut der Tempelschulen gegeben. Sie können weiterhin zu Hause wohnen, aber ab dem Zeitpunkt der Verbindung hat der Tempel Vorrang vor dem Familienbund. Der Tempel lehrt sie Lesen, Schreiben und Rechnen, außerdem die Grundlagen des Kampfes. Mit zwölf Jahren können die Kinder wählen, ob sie in den Dienst des Tempels treten oder in Handel, Handwerk, Musik oder Landwirtschaft arbeiten wollen. Viele reiche Familien geben ihre Kinder in diesem Alter als Knappen an den ansässigen Adel weiter, wo sie in das Waffenhandwerk eingeführt werden und lernen, wie man sich in Adelskreisen benimmt. Zwischen Jungen und Mädchen wird kein Unterschied gemacht.

Arme Familien können sich die Kosten der Tempelschule häufig nicht leisten. Ihre Kinder werden dem Tor verbunden und ohne Ausbildung in Lohnarbeit geschickt.

Frauen, die im Familienbund kinderlos bleiben, können ihn verlassen oder als "Tante" dienen, d.h. sie übernehmen Aufgaben wie die Verwaltung der Familienfinanzen oder die Vertretung des Bundes im Heer. Viele verdingen sich als Dienerinnen, Händlerinnen oder Soldatinnen. Witwen, unverbundene oder kinderlose Frauen gelten keineswegs als minderwertig, aber ein Mann, der mit mehreren Frauen verbunden ist und trotzdem keine Kinder zeugen kann, wird verspottet und kann aus dem Bund ausgeschlossen werden. Das kann sich recht ungünstig auf seine Eltern auswirken, falls sie mit im Haus wohnen. Sie werden dann genauso ausgeschlossen, müssen sich eine neue Bleibe suchen und können nur hoffen, daß ihr Sohn einen neuen Bund eingeht. Falls es ihm nicht gelingt, bleiben sie allein und, je nach finanzieller Situation, unversorgt. Einige Tempel unterhalten Häuser für mittellose alte Menschen, fordern aber dafür leichte bis mittelschwere Dienste.

Eine unverbundene Frau, die ein Kind bekommt, gibt es entweder ihren verbundenen Schwestern oder in ihren Tempel, wo es aufgezogen und in Dienst genommen wird.

Geistig oder körperlich Behinderte werden nach Entscheidung des Familienbundes entweder gepflegt und je nach Einsatzfähigkeit zu leichten Diensten herangezogen oder außerhalb der Städte ausgesetzt. Viele gehen dabei zugrunde, manche überleben jedoch und schließen sich zu Räuberbanden oder Horden zusammen, die von der Wilderei leben und einzelne Höfe überfallen.

 

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Die anturische Gesellschaft ist streng hierarchisch und matrilinear gegliedert. Das Oberhaupt (madan) der Familie ist die älteste Frau, die den Familiennamen als Titel trägt ("die Sabirin") und in allen Fragen die entscheidende Stimme hat. Ihre Söhne und Töchter leben in ihrem Haus (imdye), und die Rangfolge geht streng nach dem Alter. Ein Mann heiratet üblicherweise in das Stammhaus der Frau ein. Auch hier ist eine Ehe erst mit der Geburt des ersten Kindes rechtsgültig, vorher können sich alle Beteiligten jederzeit wieder voneinander trennen.

Mit den Tempeln haben anturische Familien nichts zu tun. Ihr Verhaltenskodex folgt dem tuenye, einem genau festgelegten Begriff der Ehre. Die persönliche Ehre ist der Familienehre nachgestellt, und bei schweren Verfehlungen kann die madan einen Selbstmord befehlen, um die Ehre der Familie wiederherzustellen.

Ein Tag im Leben...

 

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Zu den Kardian zählen die Bewohner der Insel Iunis, einige Waldstämme in Cardan-Adela sowie die Nomaden im nördlichen Grenzland zwischen Ryondar und Tadar. Sie unterscheiden sich stark in ihrer Lebensweise, aber ihre Gemeinschaft basiert auf dem Gesetz des -khy- und der Zuteilung der Elemente zu den einzelnen Bereichen des täglichen Lebens. Jahrhunderte der Verfolgung haben viele kardische Traditionen vernichtet oder unter starkem ryondrischem Einfluß verändert, aber das Fünfermuster des -khy- ist noch immer erkennbar. Tatsächlich sind auch kardische Bräuche in das ryondrische Alltagsleben übergegangen, teilweise ohne daß sich die ryondrische Gesellschaft dessen bewußt ist.

Die kardische Gesellschaft spielt außer auf der Insel Iunis im heutigen Ryondar überhaupt keine Rolle, und selbst auf Iunis ist sie stark zurückgedrängt worden. Auf dem Festland findet man Kardian als Strafgefangene in den Steinbrüchen oder als Diener in anturischen Häusern, mit denen sie sich bemerkenswert gut identifizieren. Ihre Loyalität zu diesen Häusern ist stark ausgeprägt.

Auf Iunis leben einige Kardian heute noch in Khyals, den traditionellen Wohngruppen, die aus jeweils vier Wohnhäusern und einem Versammlungshaus bestehen. Jeder Khyal ist einem Element zugeordnet. Eine vollständige Khyalgruppe besteht aus vier Wohnkhyals (Wasser, Luft, Stein, Feuer) und einem Versammlungskhyal, in dem sich alle Khyalen zu Versammlungen treffen. Es gibt aber nur noch zwei vollständig erhaltene Khyalgruppen. Eine davon befindet sich in Malangita. Sie ist nicht bewohnt, sondern die Häuser werden nur noch als Ställe, Vorratslager und Mannschaftsunterkünfte ryondrischer Stadtwachen genutzt. Die zweite Gruppe befindet sich in Lenangeh. Die dort lebenden Khyalen gelten grundsätzlich als Rebellen gegen die Krone, auch wenn sie niemals zu den Waffen greifen. Allein die Tatsache, daß sie ihre eigene Sprache sprechen und den alten Bräuchen folgen, macht sie verdächtig.

Familien sind den Häusern untergeordnet. Wenn Blutsverwandte in unterschiedliche Häuser ziehen, nehmen sie die Namen der jeweiligen Häuser an. Die Blutsverwandtschaft wird zwar noch anerkannt, muß aber hinter den Interessen des Hauses zurückstehen. Gibt es in einer Stadt mehrere Khyalgruppen, also mehrere Häuser der gleichen Ordnung und des gleichen Namens, sind die Bewohner der Häuser yé-is(ai, "hausverwandt".

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Das Königshaus ist so vielen Gesetzen, Traditionen und Reglementierungen unterworfen, daß wahrscheinlich nur die Hofschreiberin Ratha Keroun jemals den Durchblick haben wird, wer sich wann wie angemessen zu kleiden und zu verhalten hat.

Es verbindet ryondrische und anturische Elemente, bildet den Ersten Inneren Ring der Adelsgesellschaft und folgt zudem noch einigen Gesetzen, die Elgerion Meret vermutlich aus seiner Heimat mitgebracht hat. Zum Glück liegt die Königsherrschaft von Taishon schon so lange zurück, daß wenigstens aus dieser Zeit keine Traditionen überliefert worden sind.

Besonders kompliziert und umstritten ist das Erbfolgegesetz.

Das klassische Erbgesetz sieht die direkte, also matrilineare Erbfolge vor. Die erstgeborene Tochter erbt das Amt der Mutter. Ist keine Tochter da, tritt die erstgeborene Nichte an deren Stelle. Erst wenn auch das nicht möglich ist, hat der erstgeborene Sohn ein Anrecht auf den Thron und tritt damit in die indirekte Erbfolge ein.

Nun hat aber die Königsfamilie häufiger Söhne als Töchter hervorgebracht, so daß die indirekte Erbfolge schon beinahe zur Regel geworden ist. Ganz legal ist das allerdings nicht. Ein entsprechendes Gesetz scheiterte am Widerstand der anturischen Familien, die auf der matrilinearen Erbfolge beharrten und höchstens ein Älterenrecht anerkennen wollten.

Das Älterenrecht sieht vor, daß der Thronfolger nicht die älteste Tochter der Königin oder des Königs, sondern das nächstältere Familienmitglied ist, also ein Bruder oder eine Schwester. Dieses Gesetz wird aber wiederum von den Ryondari nicht anerkannt.

Stammbaum der ryondrischen Könige